Für Deutschland sagen Wirtschaftsforschungsinstitute und die Deutsche Bundesbank mit 3,0 die höchste Teuerungsrate für 2008 seit 15 Jahren voraus. 1993 sind die Preise um 4,4 Prozent gestiegen. Stärkster Preistreiber in Deutschland ist die Energie. Ohne Energie hätte die Teuerungsrate im Mai lediglich 1,9 Prozent betragen. Aber auch die Nahrungsmittelpreise steigen weiter. Sie lagen je nach Bundesland zwischen 7,1 Prozent und 9,2% höher als vor einem Jahr.
Unter Inflation versteht man allerdings nicht das Steigen einzelner Preise innerhalb einer Volkswirtschaft, sondern den Anstieg des Preisniveaus insgesamt. Außerdem muss der Anstieg dauerhaft sein. Die Flexibilität einzelner Preise ist für den Ausgleich von Angebot und Nachfrage und damit die Allokation der Produktionsfaktoren innerhalb einer Marktwirtschaft von großer Bedeutung. Geht die Inflation mit steigender Arbeitslosigkeit und weniger Wirtschaftswachstum einher, spricht man von Stagflation.
Gemessen wird die Teuerungsrate in Deutschland mit Hilfe des Verbraucherpreisindexes , den das Statistische Bundesamt ermittelt. Der Index misst die durchschnittliche Preisentwicklung der Waren und Dienstleistungen, die von privaten Haushalten konsumiert werden. Single-Haushalte sind dabei ebenso berücksichtigt wie Rentnerehepaare oder Großfamilien. Der Verbraucherpreisindex liefert ein Gesamtbild der Teuerung in Deutschland, das alle Haushaltstypen, alle Regionen Deutschlands und die dort nachgefragten Waren und Dienstleistungen einbezieht - Mieten, Nahrungsmittel, Bekleidung ebenso wie etwa Kraftfahrzeuge oder Dienstleistungen wie Friseur, Reinigung oder Reparaturen. Der Verbraucherpreisindex ist ein wichtiger Indikator für die Geldwertentwicklung und dient u. a. als Grundlage für Lohnverhandlungen und vertragliche Vereinbarungen wiederkehrender Zahlungen (Kreditverträge).
Experten unterscheiden die Nachfragesog- und Kostendruckinflation. Von Nachfragesoginflation spricht man, wenn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage stärker wächst als die volkswirtschaftlichen Produktionsmöglichkeiten. Die Preise steigen solange, bis sich das Angebot der Gesamtnachfrage angepasst hat. Dieser Vorgang ist meist mit steigender Beschäftigung gekoppelt. Steigen dann auch die Lohnkosten, kann es zu einer Lohn-Preis-Spirale kommen, die den inflationären Effekt noch verstärkt.
Bei der Kostendruckinflation steigen die Preise wichtiger Produktionsfaktoren, die für die Produktion unumgänglich sind. Steigende Löhne und Energiepreise erhöhen die Kosten der Unternehmen, die diese an den Verbraucher weitergeben. Produktivitätsfortschritt mildert die Preissteigerungstendenz. Zentral für die Vermeidung der Inflation ist eine ausreichende und angemessene Versorgung einer Volkswirtschaft mit Liquidität. Daher hat der Chef der EZB, Jean-Claude Trichet , bereits eine Leitzinserhöhung für den Euroraum angekündigt, um das Preisstabilitätsziel von knapp zwei Prozent langfristig wieder zu erreichen.
In Deutschland treffen die Preissteigerungen für Energie und Nahrungsmittel vor allem Familien mit Kindern. Der Schweizer Inflationsexperte Wolfgang Brachinger hat nachgewiesen, dass Familien mit Kindern einen größeren Teil ihres Haushaltseinkommens für die Bereiche Nahrungsmittel, Verkehr und Bildung ausgeben müssen als Singles und damit unter der höheren Inflation besonders leiden. Wegen der seit Jahren sinkenden Reallöhne und damit verbundenen geringeren Haushaltseinkommen leiden einkommensschwache Haushalte mehr unter der Inflation als wohlhabendere. Sie müssen einen prozentual größeren Teil ihres Einkommens auf die immer teurer werdenden Verbrauchsgüter verwenden. Ausweichstrategien (Verhaltensänderungen) der Verbraucher und Produktionsänderungen der Unternehmen zu mehr Effizienz könnten das Ergebnis der anhaltenden Teuerung sein.
(18.06.2008 - rs)
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