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DER SPIEGEL 32/2007 vom 06.08.2007, Seite 18

Autoren: Julia Bonstein, Alexander Jung, René Pfister, Hans-Jürgen Schlamp und Wieland Wagner

LANDWIRTSCHAFT

Wer melkt wen?

Zeitenwende im Agrarsektor: Erstmals seit Jahrzehnten bestimmen Angebot und Nachfrage den Milchpreis. In Zeiten globalisierter Märkte wird auch dieser Rohstoff knapper und teurer. Davon profitieren Molkereien und Landwirte - doch längst nicht alle. Brüssel reagiert zögernd.

Jedes Jahr kommen die Einkaufschefs der wichtigsten deutschen Handelsketten mit den Verkäufern der großen Molkereien zusammen, um die neuen Milchverträge auszuhandeln. Sie treffen sich in den Firmenzentralen in Essen, Neckarsulm oder Hamburg. Es sind Heimspiele für Aldi, Lidl, Edeka und Co. Man kennt sich seit Jahren, respektiert einander, aber jeder weiß zugleich: Es ist ein ungleicher Kampf.

Die Handelskonzerne hatten bislang die Molkereien in der Hand. Ohne Mühe gelang es ihnen, die Preise zu drücken; allein in den vergangenen fünf Jahren um insgesamt fast 15 Prozent. Es gab ein gewaltiges Überangebot, den Molkereien blieb keine andere Wahl, als ihre Milch zu verschleudern. So lief es jahrein, jahraus, bis sich Discounter und Milchhändler in diesem Frühjahr wieder am Verhandlungstisch trafen. Da war plötzlich alles anders.

Selbstbewusst und geschlossen wie nie präsentierten die Vertreter von Großmolkereien wie Nordmilch, Campina, Müller und anderen ihre Forderungen für die neuen Verträge ab Juli: sieben bis zehn Cent mehr pro Liter. Und, oh Überraschung: Die Handelsherren knickten ein.

Erstmals konnten die Molkereien mit anderen Abnehmern drohen. Der gesamte Weltmarkt ist plötzlich scharf auf deutsche Milch, vor allem auf Molkepulver. Die Preise für die gelbliche Masse, den Grundstoff vieler Fertiggerichte, haben sich innerhalb nur eines Jahres mehr als verdoppelt.

Die Globalisierung hat nun auch eine Branche erreicht, die bislang allenfalls regional strukturiert war und noch immer eher mit Almbauern in Verbindung gebracht wird als mit Konzernmultis, Börsenzahlen und Spot-Märkten.

Milch aber ist zu einem knappen Gut geworden. Die Lager der verarbeitenden Industrie sind wie leergefegt, der sprichwörtliche Milchsee ist ausgetrocknet, der Butterberg abgetragen.

Nun wächst selbst in der Europäischen Kommission die Bereitschaft, die EU-Agrarpolitik weiter zu reformieren. Die zuständige EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel will die seit Jahren erstarrten Milchquoten deutlich anheben. Damit soll auch der Beschluss der EU-Agrarminister befeuert werden, ganz aus dem knorzigen Quotensystem auszusteigen, das bisher die Milchproduktion in Europa reguliert. Die Quote allerdings soll erst im Jahr 2015 komplett fallen. Mehr Aktivitäten gibt es bislang nicht zu vermelden.

Immerhin: Erstmals seit Bestehen der Milchmarktordnung von 1968 bestimmen nun auch hier Angebot und Nachfrage den Preis, staunt Frank Jäger, Geschäftsführer der Landesvereinigung Milch Hessen: "Jetzt regiert der Markt."

Für die Verbraucher war das zunächst kein Grund zum Jubeln. Denn die Preise für Milch und alles, was daraus hergestellt wird, schossen in die Höhe. Sahne, Quark, Käse, Butter oder Speiseeis wurden mit einem Schlag um bis zur Hälfte teurer.

"Ungerechtfertigt", wettert Agrarminister Horst Seehofer (CSU) gegen die Preisaufschläge. "Massiv übertrieben", urteilt

SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber. Und die Vorsitzende des Agrarausschusses des Bundestags, Ulrike Höfken von den Grünen, mahnte die Verbraucher, sich diese "Abzocke" nicht gefallen zu lassen.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass auch die Preise anderer Nahrungsmittel steigen werden: Brot, Fleisch, Bier - all das wird durch die Globalisierung ebenfalls verteuert.

Als Erstes erwischt es nun also das gute alte Glas Milch, fast schon ein Mythos als Kraft- und Wachstumsquelle in der Behaglichkeit deutscher Familien. Dass jedes Kind Milch trinken kann, gilt mehr oder weniger als Grundrecht. "Milch ist kein Luxusgut", sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Thea Dückert, "und darf auch keines werden." Wenn der Preis steigt, müsse auch das Arbeitslosengeld II steigen, so ihre Logik.

Und hinter allem taucht die Ahnung auf von etwas, das es für Deutsche lange nicht mehr gegeben hat: Nahrungsmittelkonkurrenz, die einst sogar als Kriegsgrund taugte.

Seit Mitte vorigen Jahres stieg der Preis für sogenannte Milch-Futures an der Chicagoer Handelsbörse um rund 70 Prozent. Der Milchproduzent China Mengniu Dairy Company aus Hongkong verkauft so viel Milch wie nie zuvor. Selbst in Griechenland schwimmen Milchverkäufer auf einer Erfolgswelle. Der Aktienkurs des Milch-, Eis- und Joghurt-Konzerns Kri-Kri zum Beispiel kletterte in diesem Jahr um 120 Prozent.

Bei fast allen Lebensmitteln, die an den Warenterminbörsen gehandelt werden, steigen die Preise: Getreide, Kaffee, Kakao. Die Märkte spekulieren darauf, dass der Trend anhält - und auch Düngemittel, Saatgut, Pestizide mitzieht. Die Spot-Preise aller Agrargüter liegen heute im Schnitt 40 Prozent über denen von Anfang 2006.

Eine ganz neue, ungewohnte Erfahrung: Seit Jahrzehnten werden Lebensmittel in den reichen Ländern billiger, nicht zuletzt dank günstiger Importe von Futtermitteln aus den armen Ländern. Eine Zeitenwende scheint sich anzukündigen, auch wenn die hastig verfassten Berichte über vermeintliche Hamsterkäufe deutscher Verbraucher ebenso absurd waren wie die Panikmache mancher Boulevardzeitung.

Noch kann sich der Verbraucher in Deutschland vergleichsweise billig ernähren. 12 Prozent ihres Einkommens gibt die typische deutsche Familie für Lebensmittel aus. Vor 50 Jahren waren es 50 Prozent.

Damals war "die gute Butter" für viele tatsächlich unerschwinglich. Noch in den siebziger Jahren wurde "Schulmilch" subventioniert, damit auch Arbeiterkinder sie trinken konnten. Heute sind Milch und Joghurt Ramschprodukte geworden, ebenso wie Schweinefleisch oder Hähnchen.

Das deutsche Preisniveau liegt laut Einzelhandelsverband rund 15 Prozent unter dem Durchschnitt aller alten EU-Länder. Noch gilt, was Josef Jacobi, Chef der Upländer Bauernmolkerei, zur Beruhigung seiner Kunden sagt: "Wir haben in Deutschland die teuersten Küchen, aber die billigsten Lebensmittel." Nur: wie lange noch?

"Der Verbraucher muss sich daran gewöhnen, dass Nahrungsmittel teurer werden", sagt Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. Die Brotpreise ziehen an, Fleisch wird teurer, selbst Margarine kostet teilweise 20 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Weltweit steigt die Nachfrage nach mehr - und besseren - Nahrungsmitteln. Vor allem der Hunger der 1,3 Milliarden Chinesen auf Milchprodukte wächst stark: Die Supermärkte in Peking oder Shanghai verlängern ihre Kühlregale für Milch, Butter, Käse und Joghurt ständig.

Im vergangenen Jahr verzehrten die Chinesen pro Kopf bereits über 20 Kilo an Milchprodukten. Das ist wenig im Vergleich zu Deutschland, aber doppelt so viel wie im Jahr 2000.

Chinesische Fußballer schwören auf das neue Stärkungsmittel, die Frauen halten es für ein Schönheitselixier. Zudem läuft das Gerücht um, dass die Kinder europäische Maße erreichen, wenn sie nur genug Milch trinken.

Die heimische Produktion kann selbst in einem Riesenreich wie der Volksrepublik mit dem Appetit der Bevölkerung nicht mehr Schritt halten. Obwohl sich die Zahl der Molkereien binnen fünf Jahren verdoppelt hat und China heute, nach Indien und den USA, der Welt drittgrößter Erzeuger von Milchprodukten ist, wuchs der Import im vergangenen Jahr mit zweistelliger Rate. Seit der traditionelle Lieferant Australien wegen einer jahrelangen Dürre immer weniger schickt, kauft China selbst im fernen Europa ein.

Nicht zuletzt deshalb steigt die globale Milchnachfrage um jährlich 2,5 bis 3 Prozent, die Produktion kommt aber nur um ein Prozent voran. Plötzlich liegt der Weltmarktpreis über dem EU-Erzeugerpreis.

Aber noch ein weiterer Grund treibt die Preise für einige Nahrungsmittel: Im Zeitalter der Klimadebatten wird immer mehr Biosprit eingesetzt, damit die Temperaturen

nicht weiter ansteigen. Dafür bauen die Landwirte Mais oder Raps an, womit die Flächen für Nahrungspflanzen schwinden. Eine wachsende Zahl von Überschwemmungen und Dürreperioden dezimiert zudem die Ernten. Insgesamt sinkt also tendenziell das Angebot bei steigender Nachfrage - und die Preise klettern weiter.

Goldene Zeiten müssten das sein für die deutschen Bauern. Aber sie meckern. Ihre Laune hat einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Am Stammtisch vom "Gasthof Ach" in Etzgersrieth in der Oberpfalz zum Beispiel brummeln sich die Milchbauern so langsam in Rage. Sie wollen streiken, aber nicht einfach so. "Spektakulär" müsse der Streik werden, sagt der Häglers Josef aus Deindorf, "damit die Medien einsteigen". Was könnte man machen?

"Wir machen einen Milchbadetag", schlägt einer vor. "Ja", nickt sein Nachbar, "mit einer Riesenwanne voll Milch, und die Meier badet drin, im Bikini!" Das finden alle großartig. Barbara Meier, 21, Oberpfälzerin, ist das von Heidi Klum jüngst gekürte neue deutsche Topmodel.

Aber den Bauern geht es natürlich nur um die Sache: "Hauptsache, man nimmt endlich zur Kenntnis, dass es uns schlechtgeht", sagt Hägler. Von den höheren Milch- und Butterpreisen in den Supermärkten komme "praktisch nichts" bei ihnen an. Das macht sie wütend.

40 Cent pro Kilogramm Milch wollen sie fortan von den Molkereien. Andernfalls drohen sie für den Herbst mit einem Milchstreik. Denn auch die etwa 30 Cent, die sie jetzt bekommen, nach 27 Cent im Vorjahr, decken längst nicht ihre Kosten, klagen sie. Die Preise in den Supermärkten explodieren, "und wir zahlen drauf", fasst einer die Stimmung zusammen und haut mit der Faust auf den Tisch. Das werde man sich nicht länger gefallen lassen.

Deutschlands Milchbauern, immer die Artigsten und Stillsten der grünen Agrarzunft, werden rebellisch. Überall in deutschen Landregionen hängen Plakate an Hoftoren und Scheunen: "Bauern brauchen einen fairen Preis - 40 Cent". Im Mai demonstrierten 25 000 bei einem bundesweiten "Aktionstag". 10 000 Bauern wollen sich kommende Woche in München zum Protest versammeln.

In Scharen seien Milchviehhalter in den vergangenen Monaten aus dem mächtigen Deutschen Bauernverband (DBV) ausgetreten, heißt es. Sie fühlten sich von Präsident Sonnleitner verraten. Weil Milchbauern ihren Hof kaum verlassen können, sind sie in der Agrarlobby wenig vertreten. Dort geben Ackerbauern und Viehzüchter den Ton an.

"Mit einer in diesem Ausmaß noch nie dagewesenen Arroganz haben Sie die Meinung der Milchbäuerinnen und Milchbauern hemmungslos ignoriert", wird Sonnleitner in einem offenen Brief attackiert. Dass er die "Milchquote" abschaffen will, sei "ein Schlag ins Gesicht von all denjenigen, die zweimal täglich, und das 365 Tage im Jahr, ihre Kühe melken".

Die "Milchquote" ist das wohl typischste Produkt europäischer Agrarpolitik. 1984, in Zeiten riesiger Milchseen und hoher Butterberge, legte Brüssel für jedes Mitgliedsland eine maximale Milchmenge fest, aus der sich bis heute ein Limit für jeden einzelnen Betrieb ableitet.

Will ein Bauer über seine Quote hinaus melken, muss er dem Nachbarn, der nicht mehr melken will, dessen Quote abkaufen oder sie auf Zeit pachten.

Längst hat sich so ein florierender Handel mit diesen Quoten entwickelt. Das beschert arbeitsunwilligen Landwirten ansehnliche Einnahmen und ein faules Leben als sogenannte Sofamelker. Fleißige Bauern dagegen, die ihren Betrieb ausbauen wollen, haben zusätzliche Kosten.

Dazu kommt, dass Höfe hohe Strafen zahlen müssen, wenn sie mehr produzieren, als ihre Quote zulässt. Die sogenannte Superabgabe hat die absurde Folge, dass Milch, die auf dem Weltmarkt inzwischen äußert gefragt ist, weiter in Schweinetrögen landet oder in den Gully gekippt wird. Niemand mag das System. Aber viele wollen es auch nicht missen.

Vor allem kleine Bauern mit wenig Fläche und Kapital, die in den schwierigen Alpen- und Mittelgebirgslagen kaum Alternativen zur Milchwirtschaft haben und oft hochverschuldet sind, fürchten marktwirtschaftliche Verhältnisse.

Wenn ihre großen Konkurrenten nach Belieben Kühe halten und melken dürften, übersteige die produzierte Menge bald wieder die Nachfrage, so die Sorge. Und dann stürzten die Preise erneut ins Bodenlose.

Das klingt heute, angesichts explodierender Preise, beinahe lächerlich. Aber wissenschaftliche Studien bestärken die

Landwirte in ihrer Furcht. Um 10 bis 30 Prozent, so die Angstvariante der Experten, könnte der Erzeugerpreis fallen, wenn die "Milchquote" ausgemustert wird.

"Dann", stöhnt ein Milchbauer am Stammtisch im "Gasthaus Ach" mit leiser Stimme, "san' mir alle am End!"

"Irrsinn", hält Jürgen Meier, 43, dagegen, Landwirt in Beckdorf bei Buxtehude. "Die Quote war immer Irrsinn." 35 Milchkühe zählte der elterliche Betrieb, auf dem er 1983 nach dem Tod des Vaters die Verantwortung übernommen hat. Während andere Bauern in der Umgebung aufgaben, baute Meier einen neuen Stall.

15 Pfennig pro Kilogramm Milch im Jahr zahlte er anfangs als Pacht an einen Nachbarn, dessen Produktionsrechte er übernahm. Heute hält er 110 Tiere. Die Quoten kauft er an den Börsen, die dreimal jährlich stattfinden. Reich wird er auch mit dem neuen, großen Stall nicht, aber die aktuellen Milchpreise hellen seinen wirtschaftlichen Horizont etwas auf.

Im vergangenen Jahr bekam Meier von Nordmilch 27 Cent pro Kilo, jetzt hat sein Abnehmer ihm mindestens 32 Cent für Juli bis Dezember 2007 zugesagt. "Selbst wenn mir angesichts steigender Kraftfutter- und Energiepreise nur ein Cent mehr pro Kilogramm bleibt, bringt das 10 000 Euro zusätzlich im Jahr", sagt er. Doch richtig Geld verdienen kann er erst, "wenn endlich diese Quote weg ist".

Im Jahr 2015 läuft sie automatisch aus. Aber Bauern wie der Buxtehuder Meier, viele Agrarpolitiker und Verbandsfunktionäre wollen die europäische Planwirtschaft nicht weitere acht Jahre ertragen. Es sei nicht einzusehen, warum die Milchwirtschaft von "volkswirtschaftlichen Grundprinzipien dauerhaft ausgenommen werden soll", heißt es in einer Studie, die Landwirtschaftsminister Seehofer schon im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hat. "Die Quote behindert jene Bauern, die von den Chancen eines steigenden Weltmarktpreises profitieren wollen", sagt Udo Folgart, Milchpräsident des Deutschen Bauernverbands.

Allerdings kämpft ausgerechnet Seehofers Parteifreund und Noch-CSU-Chef Edmund Stoiber für eine Quotenwirtschaft, die auch nach 2015 weitergeht. Gerade in Bayern gibt es viele Kleinbauern, die bislang von der Quote profitiert haben. Zudem hat das Instrument "Quote" die ihm gesteckten Ziele zumindest teilweise erreicht.

Die Milchseen und Butterberge sind abgebaut. Die hunderttausend Milchbauern, die es noch gibt, schaffen im Verhältnis doppelt so viele Arbeitsplätze wie ihre Ackerbau-Kollegen und machen sich obendrein um Umweltschutz und Tourismus verdient. "Wo keine Kühe weiden", so Lutz Ribbe, Agrarexperte der Stiftung Euronatur, "kann man keine Touristen mehr melken."

Ribbe und andere ökologisch orientierte Wissenschaftler stehen im Kampf um die Quote neben den kleinen Milchbauern - auf verlorenem Posten.

Der Trend ist schon erkennbar. Riesige, von Finanzinvestoren getragene Superställe werden die Milch von morgen liefern, so wie heute schon das Fleisch für die Supermarkttheken produziert wird. Die Milchwirtschaft wird sich auf optimale Standorte konzentrieren, im futterreichen Allgäu zum Beispiel, in Brandenburg, am Niederrhein oder im Norden, in Hafennähe, wo importiertes, billiges Kraftfutter zu niedrigen Transportkosten geliefert wird.

Die Wiesen in den Mittelgebirgslandschaften kommen unter den Pflug und werden durch Mais- oder Raps-Monokulturen ersetzt, für Futtermittel oder zur Biosprit-Produktion. Ökonomisch macht das Sinn, aber "ökologisch ist es eine Katastrophe", sagt Ribbe. Auch die Nahrungsmittelindustrie warnt bereits vor den Gefahren, die die Produktion von Bioenergie anstelle von Lebensmitteln mit sich bringt. Schon jetzt haben sich Preise für Palm- und Rapsöl, Weizen und Mais drastisch erhöht. "Der Ausbau alternativer Energiequellen darf nicht zu Lasten einer preisgünstigen Lebensmittelversorgung erfolgen", fordert die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie.

So wird der neue Milchdurst der Welt mehr ändern als den Preis in Deutschland. Lebensmittel werden mehr denn je zum Industrieprodukt, das der Diktatur des Preises unterworfen ist. Die letzte Entscheidung darüber fällen allerdings die Verbraucher. Wenn sie wollen, dass alles möglichst billig ist, bekommen sie irgendwann eine vollindustrialisierte Welt. Wenn sie etwas anders wollen, müssen sie in Zukunft höhere Preise für Nahrungsmittel in Kauf nehmen. JULIA BONSTEIN,

ALEXANDER JUNG, RENÉ PFISTER,

HANS-JÜRGEN SCHLAMP, WIELAND WAGNER

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