Polizeileutnant Arthur Dallas aus New York mochte nicht mehr: "Wir verlieren die Schlacht", sagte er müde, "die Stadt brennt nieder. Und wir können nichts dagegen machen."
Dallas leitet im New Yorker Stadtteil Bronx die Brand- und Explosionsabteilung der Polizei. In seinem Revier brennt es eigentlich immer: Ungefähr 9500 Schadenfeuer, mehr als doppelt so viele wie 1977, wurden in diesem Jahr in ganz New York gelegt, davon 2500 allein in der Bronx.
Längst ist der Stadtteil, einst ein relativ ruhiges Arbeiter- und Mittelstandsviertel im Norden Manhattans, zu einer makabren Touristen-Attraktion verkommen: Ausgebrannte Straßenzüge, verkohlte Ruinen, Trümmerfelder erinnern an ausgebombte deutsche Großstädte in den ersten Nachkriegsjahren.
Nur ein verschwindend kleiner Teil der Brände wird aufgeklärt. Nicht einmal jeder hundertste der "torches" (Fackeln) genannten Brandstifter muß damit rechnen, verhaftet und verurteilt zu werden.
Die Hintermänner und Auftraggeber, die Beträge zwischen 50 und 500 Dollar für das Anzünden von Wohnhäusern oder Läden aussetzen, kommen beinahe ausnahmslos ungeschoren davon: Inkompetenz und Schlamperei der häufig gegeneinander arbeitenden Behörden, unverständlich laxe Vorschriften, merkwürdig desinteressierte Versicherungen machen es den Brandstiftern leicht.
Diese Biedermänner im Hintergrund handeln nach einem ebenso einfachen wie gewinnversprechenden Schema. Sie kaufen, wohlversteckt hinter einer unübersichtlichen Kette von Tarnfirmen, für ein paar tausend Dollar ein heruntergekommenes, von Sozialhilfeempfängern bewohntes oder auch ein leerstehendes Haus.
Davon gibt es genug in den Slums der Großstädte an Amerikas Ostküste, und auch an den Rändern dieser Elendsviertel leben die meisten am Rande des Existenzminimums. Manche bringen sich nur mit Straßenraub oder Drogenhandel durch. Miete wird kaum bezahlt.
Viele Hausbesitzer sind nur zu froh, ihre Bruchbuden loszuwerden. Etliche entscheiden sich für warmen Abbruch: Sie versichern ihre Häuser möglichst hoch und zünden sie dann an.
Wem dieses Spiel zu schmutzig oder zu riskant ist, der verkauft den alten Schuppen für wenig Geld an eine anonyme Grundstücksgesellschaft, die dann -- zum Teil in geheimer Komplizenschaft mit dem Verkäufer -- die Immobilie zu Geld macht.
Der Versicherungsvertrag ist kaum ein Problem. Die Agenten der Konzerne nehmen nur äußerst selten das Gebäude in Augenschein, das sie versichern. Beinahe mühelos können überhöhte Wertansätze in die Policen geschmuggelt werden.
Nicht selten sind die Versicherungsvertreter mit von der Betrugspartie. Ihre Provision bei Vertragsabschluß richtet sich nach dem Wert des Vertrages: je höher der Ansatz, desto höher ihr Einkommen. Wenn dann später von dem Versicherungsnehmer und Hausbesitzer auch noch eine bare Anerkennungsprämie dazukommt, fällt auch der nächste Vertrag mit dem Versicherungsbetrüger nicht schwer.
"Das Blut kocht", schrieb die "New York Times", "wenn man immer wieder erfährt, wie geldgeile Brandstifter Menschen töten und Stadtteile verwüsten."
Ein von den Senatoren Sam Nunn und Charles Percy geführter Untersuchungsausschuß des US-Senats kam bereits im letzten Jahr zu dem Ergebnis, daß die Zahl der Brandstiftungen "deutlich heruntergedrückt werden kann, wenn die Versicherungswirtschaft ihre bisherige Haltung überprüfen und sowohl die Bewerber für Feuerpolicen als auch die Schadensansprüche genauer kontrollieren würde".
Sollten die Firmen bei ihrer bisherigen Nachlässigkeit bleiben, werde "gewerbliche Brandstiftung" ("arson for profit") wohl weiter mit der Jahresrate von 25 Prozent steigen.
"Brandstiftung", warnen die Senatoren, "ist nicht nur ein ernsthaftes wirtschaftliches Problem. Es verschärft auch den Schwelbrand unserer Gesellschaft und beschädigt das soziale Gefüge unserer Städte."
Bislang haben weder die Versicherungsgesellschaften noch die Behörden auf diesen Schwelbrand reagiert.
Zwar erließ der Staat New York Vorschriften, die den Feuerfahndern einen etwas besseren Einblick in die Besitzverhältnisse an den Brandruinen verschaffen sollen. Doch was von diesen Bemühungen zu halten ist, verriet Mitte November der stellvertretende Gouverneur des Staates New York, Mario Cuomo: Die Drahtzieher "bleiben unsichtbar. Gesetzgeberische Schritte führen zu nichts. Sie sind bisher immer gescheitert, sie werden auch in diesem Jahr scheitern."