Alle Quellen anzeigen
SP

DER SPIEGEL 42/2005 vom 17.10.2005, Seite 204

PÄDAGOGIK

Anschaulichkeit erschwert das Lernen

Wie lernen Kinder am leichtesten den Umgang mit Zahlen und anderen schwer begreiflichen Dingen? Die meisten Pädagogen sind überzeugt, der Stoff müsse möglichst anschaulich und konkret präsentiert werden. Zahlen zum Beispiel erscheinen deshalb in Büchern, Lehrvideos und Übungsprogrammen für den Computer gern mit sprechenden Gesichtern oder als tanzende Figürchen. Nun zeigt sich, dass wohl eher das Gegenteil richtig ist: Die Schüler tun sich leichter, wenn sie mit schlichten, abstrakten Symbolen umgehen dürfen. Das ergab ein Vergleichstest von US-Forschern an der Ohio State University in Columbus. Sie unterrichteten junge Studenten in einem fiktiven Wissensgebiet; dort galten Regeln wie "Stern plus Schneeflocke ergibt Tropfen". Die Lernmittel reichten von nüchternen Symbolen bis hin zu realistischen Fotografien. Stets lernten die Probanden besser, wenn sie mit Symbolen hantierten. Auch die Übertragung des Gelernten auf verwandte Gebiete gelang dann besser. Der Detailreichtum der konkreten Bilder, so die Forscher, schien die Lernenden eher zu verwirren und vom Gemeinten abzulenken.

DER SPIEGEL 42/2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.
Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://corporate.spiegel.de finden Sie Angebote für die Nutzung von SPIEGEL-Content zur Informationsversorgung von Firmen, Organisationen, Bibliotheken und Journalisten.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizensieren.

Version 1.7.3.7 (DB: dokn)