DER SPIEGEL


DER SPIEGEL als E-Paper

Heft 18/2012  vom 30.04.2012


Seite 114
Seite 115
Demoversion
ganzes Heft als Pdf In der Demo Version kann das ganze Heft nicht herunter geladen werden.
POP
Norah und die kleinen Willies

Reich, jung, begabt, weltbekannt und auch noch vollkommen selbstbestimmt: Norah Jones zu sein ist wahrscheinlich eine der angenehmsten Existenzformen, die es für Musiker gegenwärtig gibt. Sie hat nicht nur den Retrosound der nuller Jahre miterfunden - mit fast 40 Millionen verkauften Alben hat sie auch so viel daran verdient, dass sie sich nie wieder Gedanken über Geld machen muss. Und das, ohne darüber übermäßig gealtert zu sein. Jones ist 33. Was macht sie mit der Freiheit? Sie hat eine Countryband gegründet, The Little Willies, mit Freundinnen einen HipHop-Song aufgenommen und als Video ins Internet gestellt, und "Little Broken Hearts", ihr neues Album, ist eine bezaubernde Country-Jazz-Pop-Platte geworden. Zwölf Lieder, die klingen wie aus dem großen amerikanischen Songbook, eingespielt zusammen mit dem Produzenten Brian Burton - ein ähnlich beneidenswerter Freigeist wie Jones, seit er vor einigen Jahren den Welthit "Crazy" landete. So kann es immer weitergehen.

KINO IN KÜRZE

"Bel Ami" ist eine schwelgerische Verfilmung des Romans von Guy de Maupassant um den jungen Karrieristen Georges Duroy, der im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts schöne Frauen beglückt und politische Gegner aufs Kreuz legt. Als Theatermacher sind die Briten Declan Donnellan und Nick Ormerod Haudegen, in ihrem Kinodebüt inszenieren die beiden sehr konventionell den Tanz großartiger Schauspielerinnen wie Uma Thurman, Christina Ricci und Kristin Scott Thomas um ein windiges Bürschchen in der Mitte: Der als "Twilight"-Darsteller umschwärmte Robert Pattinson ist als Titelheld von "Bel Ami" leider nur ein hölzerner Schnösel.

KINO IN KÜRZE

"Die Liebenden" sind hier Mutter und Tochter, die vor allem einander lieben - und dann erst die Männer, die sie umschwirren. Über vier Jahrzehnte und mit Stationen in Paris, Prag, London, Reims und Montreal folgt Regisseur Christophe Honoré ("Chanson der Liebe") der Gelegenheitshure Madeleine (gespielt von Ludivine Sagnier und später Catherine Deneuve) und ihrer Tochter Véra (Chiara Mastroianni, die auch im wahren Leben Deneuves Tochter ist). Ohne rechtes Ziel lassen sich die beiden durch ihr Leben treiben und trällern Lieder. Was als buntes und leichtes Musical - und Hommage an Jacques Demys legendären Film "Die Regenschirme von Cherbourg" von 1964 - beginnt, wandelt sich im Laufe von langen 139 Minuten zum schwerblütigen und nicht sonderlich interessanten Schicksalsdrama.

© DER SPIEGEL18/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



TOP



TOP